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Der Klang von Trost

»Ein deutsches Requiem« von Johannes Brahms (Bremer Fassung)

Am Karsamstag in Berlin sang die Audi Jugendchorakademie. Unter Kent Nagano mit dem DSO gab’s das »deutsche Requiem« in der Bremer Fassung.

In der Bremer Fassung? Um 19.10 Uhr im Südfoyer der Philharmonie erklärte Habakuk Traber, was es damit auf sich hat. Ich habe ihn zum ersten Mal live erlebt. Ich bewundere, wie kundig und unprätentiös er über klassische Musik spricht und schreibt.

Seine Einführungstexte lese ich seit Jahren, Wenn alle Stricke reißen, gehören sie zu den hilfreichen Quellen, die man im Netz zu klassischer Musik finden kann. Hier gibt’s das Heft zum Konzert vom Samstag.

Bremer Fassung?

Was heute unter Bremer Fassung läuft, bezeichnet die Version, in der »Ein deutsches Requiem« von Johannes Brahms im Dom zu Bremen uraufgeführt wurde. Es dirigierte der 34-jährige Komponist.

Dass Brahms diese Musik mit grade mal Mitte dreißig komponiert hat, ist ein vielleicht ganz unerhebliches biographisches Detail. Mir macht es diese Musik glaubwürdiger, als wenn der melancholische ›Rauschebartbrahms‹ (Begriff frei nach Traber) der späteren Jahre dieses Stück aus dem Hut gezaubert hätte.

Folgendes Stück fehlt übrigens in der Bremer Fassung:

Das »Ihr habt nun Traurigkeit« hat Brahms einige Wochen nach der Uraufführung komponiert.

Insgesamt ist dieses Requiem eins der ganz großen, tröstlichen Werke aus dem 19. Jahrhundert. Ich mag es sehr, seit ich in meiner Schulzeit häufig eine Aufnahme gehört habe mit dem schwedischen Rundfunkchor, dem Eric Ericson Kammerchor, Gesangssolisten und den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado.

Der Chorklang

Den Ericson-Chor unter seinem mittlerweile verstorbenen Leiter habe ich ein paar Mal live gehört. Der Chor singt mit viel Vibrato. Es klingt aber nicht opernhaft, sondern sehr frei und lebendig. Außerdem wahnsinnig intensiv, aber ohne dass es zu laut wird, wenn sich die Stimmen in manchen Harmonien perfekt verschränken. Ich habe so etwas seitdem selten gehört.

Die Audi Jugendchorakademie ist ein ganz hervorragender Chor aus jungen Sänger:innen, die einen klaren, homogenen und sehr gut artikulierten Klang pflegen. Er passt, finde ich, deswegen gut zum »deutschen Requiem«, weil er dieses bewegende Stück nicht unnötig dramatisiert, sondern hellnüchtern, konzentriert und klangschön in den Konzertsaal schickt.

Der Klang des Chors ist für dieses Stück sehr wichtig, weil die entscheidenden Aussagen hier eben auch in den Worten stecken. Die von Brahms zusammengestellten Texte vermitteln ein Ethos, das sich in der Textzeile konzentriert, mit der dieses Requiem endet: »Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach.« (Offenbarung 14, 13b)

Dass die Werke der Toten ihnen nachfolgen, ist ein dem Diesseits zugewandter Gedanke. Er spricht mich an, weil er schon vor der Auferstehung Sinn ergibt.

In der Berliner Philharmonie gab es am Karsamstag zwischen den Blöcken mit dem Requiem von Brahms zwei langsame Sätze aus barocken Violinkonzerten, eine berühmte Arie aus der Matthäuspassion von J. S. Bach und ganz am Schluss Händel, sogar sein Halleluja!

Als ich am Montagabend aus dem ICE von Berlin in Bamberg ausgestiegen bin, hatte ich dann endlich einen Ohrwurm, den Choreinsatz aus »Herr, lehre doch mich«, hier gibt’s die ganze Version:

Und hier eine Rezension mit ausführlicheren Infos zu diesem schönen Konzert vom Karsamstag 2023.

Akustik Alpensinfonie Amerika Anton Webern Arrangement Beethoven Berge Berlioz Beschleunigung Blechbläser Brahms Clara Schumann Dirigentenwettbewerb Dmitri Schostakowitsch Eric Ericson Erinnerung Finale Franui Johann Sebastian Bach Katholizismus Klavier Klavierkonzert Kommunikation Komponistinnen Leichtigkeit Lied Mahler Mahler Competition Meer Melodien Ordnung Passacaglia Pastorale Programmmusik Robert Schumann Scherzo Schubert Stille Strauss Strawinski Symmetrie Symphonie Symphonie Nr. 1 Symphonie Nr. 3 Symphonie Nr. 4 Symphonie Nr. 5 Symphonie Nr. 6 Symphonie Nr. 7 Symphonie Nr. 8 Wolfgang Amadeus Mozart

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